16 Fragen an bekannte Züchter:
Holger Jeschke, Witten
1. Welche Rasse züchten Sie und seit wie vielen Jahren?
Seit meinem Eintritt in den Verein W 871 Witten-Borbach im Jahr 2000 hatte ich schon mehrere Rassen, am Anfang Zwergwidder, blau. Nach einem Jahr wechselte ich zu meiner heutigen Hauptrasse, den Schwarzgrannen. Im Jahr 2007 beantragte ich die Genehmigung für die Neuzüchtung Zwergwidder, schwarzgrannenfarbig, die ich nun als Zweitrasse züchte.
Zwischendurch hatte ich, da meine Frau auch Kaninchen züchtet, noch verschiedene andere Rassen im Stall. Seit 2011 beschäftige ich mich zusätzlich mit den Zwergwiddern, blau-weiß. Meine Kinder haben Zwergwidder, weiß BlA, die natürlich auch in meiner Stallanlage leben.
2. Was gefällt Ihnen an dieser Rasse besonders?
Bei den Schwarzgrannen liegt für mich der besondere Reiz in der Gleichmäßigkeit der Begrannung sowie deren Intensität. Dieser "rußartige" Schleier auf dem ansonsten weißen Fell ist für mich immer wieder faszinierend. Bei den Zwergwiddern begeistern mich die gedrungene Form, die Kopfbildung und ein schön getragener Behang. Auch das ruhige Wesen der Zwergwidder übt einen gewissen Reiz auf mich aus. Bei den Blau-Weißen sind es die Zeichnungsmerkmale und dieser "Überraschungseffekt", der mich bei der Nestkontrolle begeistert. Sehr viel Freude bereiten mir bei allen Rassen die täglichen Nestkontrollen und das Heranwachsen der Jungtiere.
3. Welche Verbesserungen streben Sie bei Ihrer Rasse an?
Bei den Schwarzgrannen möchte ich in meiner Zucht die Körperform sowie die Dichte und Struktur des Fellhaars verbessern. Bei der Begrannung, ob bei den Schwarzgrannen oder Zwergwiddern, gilt es, die Intensität zu halten bzw. weiter zu verbessern. Bei meinen Zwergwiddern, blau-weiß, bedarf es noch einer größeren Menge an Arbeit: Gewicht, Typ, Zeichnung, Kopfbildung und Behang sind bereits gut vorhanden, müssen aber noch weiter gefestigt werden.
4. Gibt es Besonderheiten bei Ihrer Stallanlage?
Meine Innenstallanlage besteht aus insgesamt 57 Buchten (70x 60 cm). Diese haben wir selbst gebaut. Sie bestehen komplett aus Holz, nur der Boden, auf dem die Kotwannen liegen, ist aus Beton. Ich halte meine Tiere auf Kunststoffrosten, aber auch direkt in der Kotwanne auf Holzspänen und Stroh. Für absolute Notfälle habe ich noch sechs Buchten außerhalb der Stallanlage zur Verfügung. Diese dienen auch, wenn erforderlich, als Quarantäne-oder Krankenställe. Ansonsten gibt es eigentlich keine Besonderheiten.
5. Wie viele Tiere versorgen Sie im Zuchtjahr?
Das ist von Jahr zu Jahr unterschiedlich. Bei den Schwarzgrannen sind es meist zwischen 25 und 35 Jungtieren, bei den Zwergwiddern, schwarzgrannenfarbig, etwa 15 bis 20 und bei den blau-weißen Zwergwiddern waren es in diesem Jahr ca. 30 Jungtiere. Jedoch selektiere ich recht früh, so dass ich im Juni/Juli meist nur noch rund 60 Tiere zu versorgen habe.
6. Wie viele Zuchttiere werden eingesetzt?
Bei den Schwarzgrannen setze ich drei bis vier Häsinnen und ein bis zwei Rammler ein. Von den früh belegten Häsinnen lasse ich meist eine zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal belegen. Bei den Zwergwiddern, schwarzgrannenfarbig, sind es zwei bis drei Häsinnen und ein bis zwei Rammler, und bei den Blau-Weißen waren es im ersten Jahr drei Häsinnen und zwei Rammler.
7. Wie sieht Ihre Fütterungsmethode aus?
Gefüttert wird ausschließlich einmal täglich gegen Abend. Dann bekommen die Tiere eine Mischung von Pellets, Müsli und Strukturfutter. Gutes Heu und frisches Wasser stehen meinen Tieren jederzeit zur freien Verfügung. Je nach Jahreszeit reiche ich auch Möhren.
8. Welches ist das Geheimnis Ihres Erfolgs?
Ein echtes Geheimnis gibt es bei mir nicht. Durch eine intensive Zuchtbuchführung, bei der positive sowie negative Eigenschaften der Tiere aufgezeichnet werden, stelle ich ganz gezielt meine Verpaarungen zusammen. Nach einigen Jahren ohne Fremdtiere habe ich im letzten Jahr eine neue Häsin von Gerd Kurz, Niederau, erworben. Diese Schwarzgrannenhäsin hat eine Verbesserung der Fellqualität gebracht. An dieser Stelle noch einmal herzlichen Dank an Gerd!
9. Was macht Ihnen besondere Freude an der Zucht?
Es ist in erster Linie der tägliche Umgang mit den Tieren. In der Zuchtsaison gehört definitiv das Beobachten der kleinen Racker da-zu. Das Vereinsleben macht mir ebenso viel Freude. Die regelmäßigen Versammlungen und der Besuch der Schauen gehören für mich einfach mit zum Hobby.
10. Was bedeutet für Sie das Wort, .Züchterfreundschaft"?
Züchterfreundschaften sind für mich sehr wichtig, denn sie beruhen nicht nur auf "Züchterlatein", sondern auch auf den anderen Dingen des Lebens. Leider sieht man die meisten Zuchtfreunde nur bei großen Schauen, dafür macht es immer wieder riesig Spaß, mit ihnen zu fachsimpeln und auf die Erfolge anzustoßen.
11. Haben Sie noch weitere Hobbys?
Neben der Rassekaninchenzucht beschäftige ich mich auch sehr gerne mit Webdesign, in Zusammenhang mit der Rassekaninchenzucht Es sind überwiegend Homepages, die unser schönes Hobby präsentieren. Neben einer Homepage für meinen Verein (www.kzv-w87l.de) und meinem Club (http://w870.kaninchenzuechter-ennepe-ruhr.de) sowie meiner eigenen Homepage (www.schwarzgrannen.de), habe ich schon mehrere Webseiten für befreundete Züchter, Vereine und Kreisverbände erstellt, die teils immer noch von mir gepflegt werden. Beim Webdesign macht es mir großen Spaß, das Grunddesign zu erstellen und die gesamte Homepage hinterher lebendig zu gestalten. Es ist einfach toll, hinterher das fertige Ergebnis zu sehen und diese auch immer weiter zu verbessern.
12. Ist die Clubarbeit für Sie wichtig?
Als Initiator des Widder-Clubs W 870 Westfalen, Sektion Ennepe Ruhr, dessen Vorsitz ich seit der Gründung 2008 innehabe, kann ich diese Frage ganz klar bejahen. Nur in einem Club kann man unter Gleichgesinnten so intensiv über eine Rasse diskutieren und diese weitervoranbringen. Der regelmäßige Erfahrungsaustausch mit Züchtern der gleichen Rasse ist meiner Meinung nach unverzichtbar. Die Club-Vergleichsschauen sind auch ein fester Bestandteil meines Terminkalenders.
13. Welchen Stellenwert hat für Sie die Jugendarbeit?
Die Jugendarbeit auf allen Ebenen der Organisation ist unsere wichtigste Aufgabe, denn die Jugendlichen von heute sind die "alten Hasen" von morgen und lassen unser gemeinsames Hobby nicht in Vergessenheit geraten
14. Was bedeutet für Sie die Bundes-Kaninchenschau?
Die Bundes-Kaninchenschau ist das Großereignis schlechthin. Dort kann man genau feststellen, wo man mit seiner eigenen Zucht steht.
15. Üben Sie in der Organisation ein Ehrenamt aus?
Im Moment bin ich in unserem Verein Ausstellungsleiter, Zuchtwerbewart, Jugendleiter und Referent für Öffentlichkeitsarbeit. Damit bin ich auch für unsere Homepage zuständig. Im Widderclub bin ich Mitgründer und Vorsitzender. Des Weiteren bekleide ich dort ebenfalls das Amt des Ausstellungsleiters und des Referenten für Öffentlichkeitsarbeit. Für den Kreisverband habe ich ebenfalls eine Website erstellt, die ich auch betreue und bin Referent für Öffentlichkeitsarbeit sowie in der Gruppe EN-Ost Obmann für Ausstellungswesen. Seit 2010 bin ich für die TGRDEU-Dateneingabe zuständig. Zudem bekleide ich das Amt des Schriftführers der LV-Clubvereinigung und bin ich seit 2010 Preisrichter.
16. Wie sehen Sie die Zukunft der Rassekaninchenzucht?
Ich denke, dass sich in Zukunft einige kleinere Vereine zusammenschließen und ihre Kräfte bündeln müssen. lch bin aber der festen Überzeugung, dass die Rassekaninchenzucht auch weiterhin bestehen wird.










